|
"Was die fünfsaitigen Bässe anbelangt, so bin ich ein entschiedener
Gegner derselben. ... Ich habe noch keinen Kontrabassisten gefunden, der
mir sagte, er spiele mit Vorliebe auf dem fünfsaitigen Ungetüm. ... Wie
das anstrengt und ermüdet, davon haben gewöhnliche Sterbliche keinen Begriff!
Auch können die drei Mittelsaiten und zwar D, A und E nicht kraftvoll
gestrichen werden aus Vorsicht, um nicht die Nachbarsaiten mit anzustreichen."
Dieser Stosseufzer von Gustav Laska in seinem Plädoyer für
eine spielergerechtere Instrumentenapplikatur hat den Siegeszug des Fünfsaiters
in Mitteleuropa nicht verhindern können. Dennoch hat sich insbesondere
in England und den USA eine andere Art der "Vertiefung" des
Kontrabassspiels durchgesetzt, die mir durchaus ihre Vorteile zu haben
scheint.
Obwohl ich, seit ich Darmsaiten benutzte auch sehr gern auf meinem Fünfsaiter
spielte, habe ich mich immer wieder gefragt, ob es wirklich sinnvoll ist,
einem Instrument, das ohnehin schon eher gedeckt und undeutlich klingt
unbedingt eine extra Saite zu verpassen, die es noch dumpfer werden lässt
und die Artikulation noch weiter erschwert. Die Antwort liegt auf der
Hand. Nun bin ich ein leider ein "echter" Kontrabassist, d.h.
ich liebe tiefe Töne. Das einfache Weglassend er fünften Saite
kam also nicht in Frage. Also sah ich mich ein wenig bei den so genannten
C-Extensions um, den Griffbrettverlängerungen die im angelsächsischen
Raum für die Tieftonproduktion eingesetzt werden.
Nach einer etwas unglücklichen Affäre mit einer englischen
Verlängerung (mit einem mechanischen Klappensystem) bin ich jetzt
bei der einfachsten Form der Griffbrettverlängerung angelangt, die
in ihrer Schlichtheit für mich im Moment die beste Lösung darstellt:

Ein einfaches Ebenholzstück verlängert
das Griffbrett auf die gewünschte Länge |
| 
|
Die Saite läuft am Ende über eine Rolle
und wird (leider) durch ein Loch in der Schnecke geführt. Es
besteht die Möglichkeit, die Saite um die Schnecke herumzuführen,
aber der Reibungswiderstand beim Stimmen wird dadurch so hoch, das
die Darmsaite, die ich benutze ständig in Lebensgefahr schweben
würde. |
| |
Das Spiel mit der
Griffbrettverlängerung entspricht gewohnten Abläufen.
Man muss halt etwas weiter nach oben mit der linken Hand, und hat
auch eine höhere Saitenlage auf der E-Saite bei geöffneter
Klappe |
Hier ein paar Beispiele für gegriffene Töne.
|

Das wäre Cis... |

... und das ein D in derselben Lage. |
|

|
Die Oktave ES-es ...
(Schon recht weit bei gross mensurierten Bässen) |
... und ein F auf der E-Saite bei geöffneter Extension. Wenn
ich danach E spielen muss, funktioniert der 3. Finger hier sehr gut,
weil dieser Abstand sehr weit ist. |

|
 |
Die Klappe lässt sich beim Spielen recht schnell öffnen
und schliessen. |
Ein Kollege von mir ist auch schon begeisterter Anwender. |
 |
 |
James Brown verträgt sich genauso gut mit der
Verlängerung wie Giuseppe Rocca. Beide Verlängerungen
wurden von Felix Rast in Zürich angefertigt. Die Schnecke bleibt
abgesehen von dem Bohrloch für die E-Saite und einer Schraube
unbeschädigt. Ich werde von Zeit zu Zeit einmal von unseren
weiteren Erfahrungen berichten. |
Die Vorteile der Griffbrettverlängerung sind
meiner Meinung nach:
- Mann braucht nicht unbedingt zwei Bässe, um alle Arten
von Musik zu spielen.
- Man kann endlich Instrumente nutzen, die sich nicht für
den Umbau zum Fünfsaiter eignen, aber wunderbare Orchesterinstrumente
sind.
- Der Umbau ist im Vergleich zum Fünfsaiter fast umsonst.
- Man kann klarer spielen, besser artikulieren die Instrumente
sprechen direkter an und man spielt nicht mehr die Nachbarseiten
mit.
- Es entsteht kein zusätzlicher Druck auf die Decke.
So zufrieden ich mit dieser Lösung bin, sollte man gewisse
Nachteile nicht verschweigen.
- Die Oktave cis-Cis lässt sich nur mit halsbrecherischen
Sprüngen bewältigen.
- Die Klappe muss vor der Benutzung der Tiefen Töne geöffnet
sein. Blattspiel verlangt ein ziemliches Vorausdenken. (Oder ein
paar Leute mit fünfsaitern in der Gruppe)
- Die Haltung der linken Hand ist nicht optimal, aber ich habe
schon ein paar Ideen, was man verbessern könnte um dem Daumen
einen Halt an der Extension zu ermöglichen.
In Europa (mit Ausnahme von Grossbritannien) hat sich die C-Extension
bislang nicht durchsetzen können, aber ich denke es ist an
der Zeit die Augen und Ohren zu öffnen und sich aus der Fülle
der Möglichkeiten die richtige Lösung herauszusuchen.
Der Fünfsaiter hat auch seine Vorteile und eine gute Mischung
dürfte das beste für eine Gruppe sein. Im Tonhalleorchester
sind wir jetzt zu zweit. Mal sehen, wie es sich weiterentwickelt.
Ich habe auch noch einen anderen Versuch
unternommen um möglichst viel mit vier Saiten spielen zu können
und meinen Orchesterbass so eingerichtet, dass man die fünfte
Saite in 10 Minuten hinzufügen, bzw. entfernen kann.
Und hier gibt es noch jemanden der einen ganz anderen Lösungsansatz
gewählt hat: Joel
Quarrington.
Hier ich noch ein paar Links zu Beispielen von Extensions,
die ich im Internet gefunden habe:
|
|