Wer, wie ich und viele andere Bassisten den Klang alter italienischer
und englischer Instrumente liebt, wird immer wieder mit dem Problem konfrontiert,
dass diese Bässe, die vielfach als Dreisaiter gebaut wurden durch
die Spannung von vier Stahlsaiten klanglich über Gebühr zu leiden
haben. Das Problem verstärkt sich noch, wenn man versucht einen solchen
Bass als Fünfsaiter zu spielen. Ausserdem hat man manchmal Schwierigkeiten
mit der Klarheit der Artikulation, da der extrem dunkle und weiche Klang
solcher Instrumente zum Verschwimmen tendiert. Zusätzlich gibt es
häufig erhebliche Anspracheprobleme, gerade auf der E-Saite bei Fünfsaitern.
Die E-Saite eines Fünfsaiters war es auch, auf die ich zum ersten
Mal eine Darmsaite - eine Pirastro Eudoxa Medium - aufgezogen habe. Nachdem
ich zuerst überglücklich über die augenblickliche Verbesserung
der Anspracheeigenschaften war, kam bald die Ernüchterung, weil der
Sound mir weniger fett schien als mit meinen schweren Stahlsaiten (Pirastro
Originals) und ich den Eindruck hatte, dass meine, manchmal etwas ruppige,
Spieltechnik nicht besonders gut auf diese Saiten wirkte.
Ich experimentierte mit anderen Darmsaiten (Pirastro Oliv), die jedoch
für meinen Geschmack zu dick waren um sie gemeinsam mit Stahlsaiten
zu verwenden und sich durch ihren sehr starken Darmkern bei Änderungen
von Temperatur und Luftfeuchtigkeit extrem verstimmten. Auch verschiedene
andere Stahlsaiten und Kunststoffsaiten habe ich ausprobiert: Corelli
(verschiedene), Tomastik Spirocore, Tomastik Dominant, Jargar, Pirastro
Originals, 91er, 92er in verschiedenen Stärken. Das ganze in fast
jeder möglichen Kombination - nichts brachte eine langfristig zufriedenstellende
Lösung.
Schliesslich kam die Firma D'Addario mit den Helicore-Saiten auf den
Markt. Hier glaubten viele Leute - auch ich - die Lösung für
die meisten Probleme gefunden zu haben. In der Tat verbessern diese Saiten
viel am Anspracheverhalten der Bässe, ohne ganz soviel an Grundtönigkeit
zu verlieren, wie etwa Corelli Saiten. Aber, je tiefer desto mehr kam
meine alte Vorliebe für Darmsaiten wieder auf. Es begann wieder mit
einer Eudoxa E-Saite und pflanzte sich weiter und weiter fort, bis nur
noch die G-Saite aus Stahl war.
Ich glaube heute, das es sich lohnt die Spieltechnik den Anforderungen
der Saiten anzupassen. Darmsaiten benötigen eine sehr gute Balance
zwischen Gewicht und Kontaktstelle und reagieren sehr empfindlich auf
Druck. Im Grunde fordert eine Darmbesaitung vom Spieler eine Bogentechnik,
die dem Ideal entspricht. Ich denke eine Darmbesaitung kann helfen gewisse
Spielschäden zu vermeiden. Wichtig ist möglichst viele Darmsaiten
zu verwenden, wenn das Instrument voll und ausgewogen - ohne zu viele
klangliche Brüche zwischen den Saiten - klingen soll. Ausserdem erleichtert
es die Umstellung der Spieltechnik, die für viele Leute unumgänglich
ist. Das Instrument gewinnt im Laufe der Zeit an Offenheit und Leichtigkeit
der Ansprache, der obertönigere Klang macht das artikulierte Spiel
leichter. Körperlich -schätze ich- kann man sich das Leben mit
Darmsaiten auch sehr erleichtern, da sie weniger stark gespannt sind als
Stahlseiten und am Ohr selbst im dicksten Orchestergetümmel noch
einigermassen deutlich zu höhren sind. Die Verbesserung der Klangeigenschaften
durch Darmbesaitung gerade auf Fünfsaitern hat auch einige meiner
Orchesterkollegen bereits überzeugt. Und ich denke, es werden noch
weitere folgen.
Auf dem von mir gespielten Fünfsaiter im Tonhalle Orchester von
Giuseppe Rocca, Turino um 1850 benutze ich:
G: Pirastro Eudoxa Medium oder bei Bedarf D'Addario Helicore Medium
D: Pirastro Eudoxa Medium
A: Pirastro Eudoxa Medium
E: Pirastro Eudoxa Stark
C: Pirastro Eudoxa H-Saite medium
Zusammenfassend würde ich in den meisten Fällen empfehlen,
gerade bei den 3 tiefsten Saiten einmal über die Benutzung von Eudoxa
Darmsaiten nachzudenken. Dabei scheint es mir vor allem auf Fünfsaitern
in den meisten Fällen nötig, eine starke E- Saite zu wählen,
keine medium. Das hängt aber natürlich von den jewiligen Umständen
ab. Ich rede hier nur von Tendenzen, die meiner Erfahrung nach häufig
sind.
Der Einsatz der tiefen Saiten ist vom Spielgefühl her eher unproblematisch.
Die D- und G-Saiten sind gewöhnungsbedürftiger - auch für
die linke Hand. Der Klang wird, immer "darmiger" und für
mich zum Beispiel wurden am Anfang die Lagenwechsel zu einem Problem.
Ein guter Freund hat mir Hirschtalg empfohlen, damit die Finger besser
rutschen. Hab' ich sogar ein paar mal gemacht. Leider schiesst man damit
manchmal über das Ziel hinaus. Heute geht es auch ohne.
Nachtrag: Obligato
In der Zwischenzeit, ist der Stahl von meinen Instrumenten endgültig
verschwunden. Mit der Obligato Reihe ist es Pirastro gelungen eine Synthetik-Saite
zu entwickeln, die für mich in G und D die ideale Ergänzung
zu den Darmsaiten darstellt. Zusammen mit den tiefen Eudoxa Saiten hat
man ein sehr ausgewogenes Klangbild und das Anspracheverhalten ist vorbildlich.
Leider überzeugt mich das Klangvolumen und das Anspracheverhalten
bei den tiefen Obligato Saiten nicht, sonst könnten wir eine Menge
Geld sparen.
Des weiteren muss ich gestehen, das ich mittlerweile aufgehört habe
Fünfsaiter zu spielen und neue Wege erkunde tiefe Töne zu produzieren.
Näheres dazu findet ihr hier.
Falls jemand sich für diese Thematik interessiert
(ich weiss, dass viele das tun) bin ich jederzeit zu weiteren Auskünften
bereit. Ich wäre auch dankbar für weitere Beiträge oder
Anregungen in Bezug auf Saiten, die ich noch nicht selbst getestet habe.
E- Mail genügt. fsanderell@swissonline.ch